Qualitätsmanagement

An der KVZBS gilt: Qualität sichern – rund um die Uhr, auf allen Ebenen

Vor über zehn Jahren lanciert, entwickelt, lebt und pflegt die KV Zürich Business School ein systematisches Qualitätsmanagementsystem. Was damals mit einer Tagung auf dem Bürgenstock begann, ist heute in Form von Qualitäts-Gruppen, verbindlichen Qualitätsstandards und regelmässigen Evaluationen fester Bestandteil des schulischen Lebens.

 

 

«Wer ein systematisches Qualitätsmanagementsystem einführen will, braucht viel Zeit, Geduld, Mut und Überzeugungskraft», fasst Rektor René Portenier seine Erkenntnisse aus den vergangenen Jahre zusammen. Bereits 1999 begann die KV Zürich Business School mit dem Aufbau eines systematischen Qualitätsmanagementsystems, die Schulleitung entschied sich damals für die Einführung des «Fördernden Qualitätsevaluationssystem» (FQS) nach Anton Strittmatter. Ein System, das primär auf Selbstevaluation und Selbstverantwortung setzt und durch regelmässige externe Bewertungen ergänzt wird. Heute präsentiert sich das System als ganzheitliches Modell, das auf dem Grundsatz «Qualität durch Evaluation und Entwicklung» (Q2E) beruht. Es legt unter anderem fest, was die KVZBS unter Qualität versteht, wie die gesetzten Qualitätsziele erreicht werden sollen und wie die Schule Qualität sichern und weiter verbessern will.

 

Positive Ergebnisse dank kontinuierlicher Weiterentwicklung

Anlässlich des ersten Q-Konvents im Jahr 2000 wurde das Fördernde Qualitätsmanagement-System (FQS) der gesamten Lehrerschaft vorgestellt und erste Organisationsstrukturen skizziert. Die ersten Qualitäts-Gruppen (Q-Gruppen) formierten sich und begannen mit der Projekt-Arbeit. Nachdem 2002 ein Evaluationsprojekt die Arbeit der Schulleitung untersucht hatte, führte die Schule FQS 2003 flächendeckend ein. Noch im gleichen Jahr wurde das zweite grosse Evaluationsprojekt durchgeführt – die «Befindlichkeitsstudie». Nachdem alle Q-Verfahren systematisiert waren, wurde die Aufbauphase 2004/2005 mit einer ersten externen Evaluation abgeschlossen. In der Folge trieb die KVZBS die Weiterentwicklung ihres Q-Konzepts aufgrund der Evaluationser-gebnisse mit verschiedenen Massnahmen voran. Dazu gehörte neben der Einführung des sogenannten Q-Hauses auch die Definition von spezifischen Qualitätsentwicklungsbereichen.

 

Das Q-Haus als Kern des Qualitätsmanagements

Das Qualitäts-Haus basiert im Wesentlichen auf drei Säulen. Die erste Säule steht für die Faktoren, die in Form von vorhandenen Ressourcen, Personal oder schulischen und gesetzlichen Vorgaben in den gesamten Schul- und Lernprozess einfliessen bezie-hungsweise dessen Grundlage bilden (Inputqualitäten). Was am Ende – quasi als Ergebnis aller Bemühungen von Lehrenden, Lernenden und Mitarbeitenden – herauskommt, sind die sogenannten Outputqualitäten. Dazu gehören neben der Zufriedenheit von Lernenden und (Ausbildungs-)Betrieben auch die QV-Resultate oder der Anteil der Absolventen mit einer Stelle. Weil Input- und Outputqualitäten nicht allein durch Entscheide und Handlungen der Schule beeinflussbar sind, fokussiert die KVZBS im Rahmen ihres Qualitätsmanagements vor allem auf die zweite Säule – die Pro-zessqualitäten. Hier geht es um alle Faktoren und Abläufe, die Einfluss auf die Unterrichtsqualität haben. Dazu gehören Themen wie die Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte und die Kommunikationskultur zwischen Lehrenden und Lernenden, aber auch ganz konkrete Fragen wie: Anhand welcher Kriterien lässt sich bestimmen, was eine faire Prüfung ist?




 

Q-Standards als praktische Handlungsanleitung im Alltag

Bei den Prozessqualitäten hat die KVZBS die zentralen Faktoren fünf Qualitätsentwicklungsbereichen zugeordnet: Schulmanagement, Professionalisierung, Prüfen & Beurteilen, Lebensraum Schule/Klasse sowie Lehren & Lernen. Für die letzten drei Bereiche hat die Schule in den vergangenen Jahren bereits Qualitätsstandards formuliert. Als verbindliche Soll-Aussagen schaffen sie klare Zielvorgaben und damit auch eine Möglichkeit, den Ist-Zustand jederzeit intern und extern messen zu können. Vor allem aber geben sie Lehrenden und Lernenden konkrete Handlungsanleitungen, an denen sie sich im Alltag orientieren können, um Qualität zu gewährleisten und Schritt für Schritt zu verbessern. Während die Q-Standards «Prüfen & Beurteilen» definieren, was die Schule unter «fairen Prüfungen» versteht und wie dieses Ziel erreicht werden kann, zeigen die Q-Standards «Lehren und Lernen», welche Ansprüche die KVZBS an «guten Unterricht hat». Die Standards «Lebensraum Klasse und Schule» widmen sich den sozialen Beziehungen und beantworten unter anderem die Frage, wie Kommunikation zwischen Lehrenden und Lernenden gelingend gestaltet werden kann.

 

Aussagekräftige Gesamtschau dank vielen Perspektiven

Das an der KVZBS verankerte Modell basiert auf zwei zentralen Elementen: Individualfeedback und persönliche Qualitätsentwicklung auf der einen sowie Selbstevaluation und Qualitätsentwicklung als Schule auf der anderen Seite. Um möglichst unterschiedliche Sichtweisen einzubeziehen, sind Individualfeedback und persönliche Qualitätsentwicklung als 360°-Feedback organisiert. Dabei werden Selbstreflexion sowie Feedback von Kollegen und Lernenden zu einer möglichst aussagekräftigen Gesamtschau gebündelt. Eine besonders wichtige Rolle spielen dabei laut Beat Rüegg (Prorektor B- und E-Profil 2. Lehrjahr) die Feedbacks der Lernenden: «Damit wir uns als Schule weiterentwickeln können, sind ehrliche und fundierte Rückmeldungen der Lernenden unverzichtbar. Das setzt voraus, dass Schulleitung und Lehrende bereit sind, sich der Kritik der Lernenden zu stellen». In Ergänzung zu diesen Massnahmen führt die KVZBS alle drei Jahre eine interne Erhebung durch. Die Ergebnisse dienen der Schulleitung als Steuerungswissen für die weitere Entwicklung im Bereich Qualität. Die letzte grosse Evaluation, bei der 2’176 Lernende befragt wurden, fand 2010/2011 im Bereich «Prüfen & Beurteilen» statt (vgl. Fragen an Dr. Maria Hafner). Es ist bereits die vierte derartige Erhebung, welche die Schule seit der Einführung ihres Qualitätsmanagements durchgeführt hat. Vervollständigt werden diese internen Massnahmen durch periodische externe Evaluationen.

 

Sechs Fragen an Dr. Maria Hafner, Qualitätsverantwortliche der KVZBS

Die letzte interne Evaluation fand 2010 im Bereich «Prüfen & Beurteilen» statt – zwei Kernaufgaben jeder Schule, wenn auch zwei heikle. Denn: Über allem Handeln prangt die alles entscheidende Frage, ob es überhaupt faire und verbindliche Formen des Bewertens – und damit letztlich auch faire Noten gibt. Und: An welchen Spielregeln orientieren sich die Lehrenden der KVZBS, um diesem Anspruch gerecht zu werden?

 

 

 

Frau Hafner, wie fällt – kurz zusammengefasst – Ihr Gesamturteil im Bereich «Prüfen & Beurteilen» aus?
M. Hafner: Positiv. Die Ergebnisse zeigen ein sehr erfreuliches Bild. Das heisst konkret: Den 2007 eingeführten Q-Standards im Bereich «Prüfen & Beurteilen wird im Schulalltag wirklich nachgelebt. Die Antworten liegen denn auch ganz überwiegend innerhalb der Spannweite, die wir für uns vorab als gute Qualität definiert haben. Nur bei zwei, drei Fragen haben uns die Angaben der Lernenden etwas überrascht. Pädagogisch interessant waren für uns insbesondere die Antworten der Lernenden bezüglich ihrer Selbstreflexion.

In welchen Bereichen gaben die Lernenden ihren Lehrenden denn besonders gute Noten?
M. Hafner: Zum Beispiel bei Fragen zu den Prüfungsinhalten. Dort gaben 87 Prozent aller Befragten an, dass der Prüfungsstoff mit den im Unterricht behandelten Themen identisch sei. Aber auch im heiklen Bereich der Benotung, schnitten unsere Lehrkräfte gut ab. So attestierten ihnen 75 Prozent der Lernenden, dass sie verständlich und transparent korrigieren. Zudem empfinden 84 Prozent der Befragten die Prüfungen als fair. Gerade dieses Ergebnis war für uns besonders erfreulich, denn es zeigt, dass wir hier seit der letzten Evaluation im Rahmen der Befindlichkeitsstudie 2003/2004 deutliche Fortschritte erzielt haben.

Und welche Resultate haben Sie am meisten überrascht?
M. Hafner: Nun ja, beispielsweise gab jede/r zweite Lernende an, in einem Fach weder die Anzahl der Prüfungen pro Semester noch die Notenskala oder Berechnungsformel zu kennen. Hier gehen wir von einem Kommunikationsproblem aus. Denn: Jedes Fach hat bereits heute eine Mindestanzahl Prüfungen definiert, an die sich die Lehrpersonen halten müssen. Wichtig ist, dass das auch so kommuniziert wird. Zugleich informiert der online verfügbare Lehrplan, was die Lehrenden im Unterricht tun. Zudem geben Lehrende gerade in Fächern, wo grosser Stoffdruck herrscht, Semesterpläne mit genauen Prüfungsdaten ab.

Welche weiteren Erkenntnisse ziehen Sie als Projektverantwortliche aus dieser neusten Evaluation?
M. Hafner: Eine Grunderkenntnis gilt wohl immer: Die Art und Weise, wie Feedback von den Lernenden einverlangt wird, entscheidet darüber, wie sorgfältig und lustvoll Antwort gegeben wird. Die Selbstverständlichkeit, mit der Lehrende und Lernende die Evaluation angegangen sind, hat mich besonders gefreut und verdient ein grosses Lob. Wichtig ist aber auch, dass in einer Organisation vertrauensvolle Beziehungen bestehen. Hier durfte ich feststellen, dass zwischen Evaluationsteam und Kollegium offensichtlich ein Klima der Offenheit und Fairness herrscht, was unsere Arbeit sehr unterstützt hat.

Was sind die nächsten Schritte, die Sie im Rahmen des Qualitätsmanagements an der KVZBS angehen wollen?
Im Moment beschäftigen uns vor allem zwei Dinge: Zum einen steht im November (22., 23. und 25.11.2011) eine externe Evaluation an. Das heisst, dass die KVZBS in dieser Zeit Besuch von einem vierköpfigen Evaluationsteam erhält. Die externen Experten werden verschiedene Befragungsgruppen (z.B. Lernende, Lehren-de, Schulleitung, Mitarbeitende, Fachvorsteher/innen, Koordinations- und Steuergruppe) befragen, wie das Qualitätsmanagement hier an der Schule erlebt und gelebt wird. Wir sind schon sehr gespannt auf die Ergebnisse dieser externen Evaluation und erhoffen uns von ihr wichtige Aussagen über die Wirksamkeit unseres Qualitätsmanagements und wertvolle neue Impulse. Die gewonnenen Erkenntnisse fliessen in unsere weitere Q-Planung ein und werden diese wesentlich beeinflussen. Zum anderen arbeiten wir aktuell an der konkreten Planung unserer Aktivitäten für die nächste Q-Periode: Unter anderem wollen wir unsere Feedback-Kultur (360°-Feedback der einzelnen Lehrperson) wieder vermehrt in den Fokus rücken und auch einen neuen Evaluationsplan erarbeiten. Dabei steht vor allem die Frage im Zentrum, welche Themen wir in den nächsten sechs Jahren intern evaluieren wollen.

Wenn Sie die KVZBS mit anderen Bildungsinstitutionen vergleichen, wie beurteilen Sie das Standing der Schule in Sachen Qualitätsmanagement?
Ich glaube, wir haben ein sehr gutes Standing. Das wird uns übrigens auch immer wieder von aussen bestätigt – zuletzt von einer Besucherdelegation aus Oberfranken. Im Mittelpunkt unserer Q-Arbeit steht unser Kerngeschäft – der Unterricht in all seinen Facetten. Natürlich erschöpfen sich Qualitätssicherung und –entwicklung nicht einfach darin, professionelle Unterlagen zur Verfügung zu stellen – aber auch das bieten wir den Kolleginnen und Kollegen mit unserem brandaktuellen elektronischen Q-Handbuch an. Die entscheidende Q-Arbeit geschieht aber jeden Tag im Klassenzimmer, in der Schule – und in der Zusammenarbeit mit unseren Lernenden. Auch sie tragen zur Qualität des Unterrichts bei. Qualität lässt sich nun mal nicht einfach an ein Q-Handbuch oder an eine Q-Verantwortliche delegieren – Qualität lebt jede und jeder an ihrem/seinem Platz.

 



Das kleine Qualitäts-ABC:

EVA: Abk. für Evaluations-Team
FQS: Förderndes Qualitätsevaluations-System
IFES: Interkantonale Fachstelle für Externe Schulevaluation
KSTG: Koordinations- und Steuergruppe QM: Qualitäts-Management
Q2E: Qualität durch Evaluation und Entwicklung

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